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Ein Interview mit Flo (Nikaya)

Ein Interview mit Flo (Nikaya)

schdmnn

18. Mai 2015

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In Vorbereitung auf das Konzert von Nikaya (zusammen mit The Lad Mags & Betrayers) am 22.05.2015, haben wir uns überlegt, dass es eigentlich ganz cool wäre, mal etwas mehr über die Band mit dem komischen Namen zu erfahren.
Leider hat sich ein Treffen mit der gesamten Band nicht ergeben, aber wofür gibt es E-Mail und SMS?!
Lange Rede, kurzer Sinn – vielen lieben Dank an Flo (voc/git) von Nikaya, der sich etwas Zeit für uns genommen hat, um uns ein Paar Fragen zu beantworten.

 

Wann habt ihr angefangen Musik zu machen? Nichts Besseres zu tun gehabt damals?
Im nächsten Jahr sind es wohl 10 Jahre. Das mag ich selber kaum glauben…
„Nichts Besseres zu tun gehabt damals?“: Nun ja… wie ist das Leben eines Teenagers?, du wirst täglich mit Sachen konfrontiert die du nicht wirklich greifen kannst, es regnet Hormonspritzen vom Himmel, du hast Ärger in der Schule, mit deinen Eltern und fragst dich pausenlos: Wo ist mein Platz in der Welt? Musik machen war daraufhin ein guter Weg um Dinge ansatzweise begreifen zu können, das berüchtigte Ventil… Wir wollten einfach wahnsinnig laute Musik machen. Ohne zu wissen wie das überhaupt im Allgemeinen funktionierte, wie man überhaupt einen Song schreibt… Im Endeffekt ging und geht es doch darum, deine eigene Welt zu erschaffen, in der du sein kannst wer du bist, in welcher du den Schlüssel deiner Realität mit gutem Gewissen vergraben kannst, in der du dich abgrenzt und neu verbindest. Das macht für mich eine gute Band aus.

 

Wie habt ihr euch zusammen gefunden? Ihr kommt ja alle aus Brandenburg/Havel. Kanntet ihr euch vorher schon?
Nein, wir kommen nicht alle aus Brandenburg, sondern sind ein Mix aus Berliner und Brandenburger. Aber anfangs, in Brandenburg, haben wir uns sicherlich wie 1000 andere Bands kennengelernt. Du bist in der Schule 15 Jahre alt, findest einen Typen „echt cool“ und weißt – dass er ein Instrument spielt. Du verabredest dich mit ihm um Musik zu hören und sagst, „Ich wäre auch gern mal auf einem Plattencover drauf… mit meiner eigenen Band…“, „Rauchst du auch?“, „Ja klar!“, umso besser. Ungefähr so!
Wie seid ihr auf euern Bandnamen gekommen? Was steckt dahinter?
Nikaya stammt aus dem Buddhismus und ist ein Begriff aus der Pali-Sprache. Nikaya ist ein Ort, wo man Erinnerungen aufbewahrt.

 

Gibt es bei euch in der Band klare Rollenverteilungen? Jemand der nur die Texte schreibt, jemand für den musikalischen Input, jemand für das Booking/Presse?
Jede Band entwickelt sicherlich im Laufe ihres Schaffens ein Rezept – wie Songs entstehen und wie sie wieder zerstört werden. Das ist gut und von größter Notwendigkeit. Man kann es wie eine Forschungseinheit betrachten, wie einen Geburtsprozess: Dein Kopf und Herz ist hochschwanger… voller Ideen… voller Vorstellungen… mit gutem und schlechtem Zeug. Du bringst diese Ideen aufs Blatt Papier und formst einen Song daraus. Es ist sozusagen wie ein Gedicht oder Tagebucheintrag welcher mit Musik in Verbindung gebracht wird. Jeder macht das, was er mag und kann, sodass auch die eigenen Bedürfnisse gestillt werden.

 

Von wo nehmt ihr die Ideen für eure Texte/Inhalte? Mitten aus dem Leben, oder doch eher so scripted reality ;)?
„Scripted reality“ ist eine seltsame Beschreibung: Ich mag aber diesen Gegensatz… Nun ja, wenn die Welten sich wechseln und ich bsw. Personen oder Geschehnisse forme, dann ist es wahrscheinlich eine erschaffende/ bzw. geschriebene Realität. Da sie aber dennoch in mir existiert, ist es doch persönlich und aus meinem Leben heraus. Es ist dein eigenes Kreuzworträtsel.
Wie würdet ihr euch selbst beschreiben / kategorisieren, wenn ihr müsstet (musikalisch)?
Das ist eine Frage, die uns allen und immer wieder gestellt wird. Und manchmal auch Bauchschmerzen bereitet. Ich würde sagen, unsere Musik ist eine Zusammenstellung von harten Sounds, treibenden Drums, kreischenden Gitarren – umhüllt von popgetränkten, lieblichen Melodien. So wie schwimmende Blüten in Kerzenwachs mit Zigarettenrauch umgeben.

 

2011 kam eure erste CD: ‚Everyone Needs A Peaceful Light‘. Wie war es damals für euch, eure eigene Platte zu releasen?
Eine Record Release ist der Endpunkt einer langen Reise – eine EIGENE Platte aufzunehmen ist für eine Band der absolute Wahnsinn. Es gibt nichts Schöneres, obwohl der Weg, bis hin zur Release, Himmel und Hölle darstellt. Mit „Everyone Needs A Peaceful Light“, die wir mit Sören Stanchera aufgenommen haben, war es nicht ganz der typische Weg, zumindest nicht vom Zeitfaktor her. Immerhin haben wir neun Monate für dieses Produkt gebraucht, mit vielen Pausen und einem abschließendem, großzügigem Freundschaftspreis. Die Aufnahmen im Jahr 2013 für „VACUUM“, im berliner Tonstudio „andereBaustelle“, war ein ganz anderer Prozess. Das war wirklich pures Business. Auf einmal wird die Zeit zu deinem schlimmsten Feind, und das über Wochen und Monate. Dennoch wünsche ich es jeder Band, diese Erfahrungen machen zu können. Das prägt!
Seit 2011 ist ja nun schon etwas Zeit vergangen. Findet ihr, dass ihr euch verändert habt (persönlich/musikalisch)? Gerade, wenn man bedenkt, dass ihr euer musikalisches Schaffen eher nach Berlin verlagert habt. Wenn ja, in wie fern?
Durchaus haben wir uns verändert. Doch in welcher Art(?), keine Ahnung, dafür fehlt mir die Distanz. Berlin ist da. Immerhin lebt die Hälfte der Band dort + unser Management „C4 Records“. Wir haben dort Freunde und Feinde. Es ist sehr wichtig ein Netzwerk zu erschaffen und danach greifen zu können. Gerade in unserer heutigen Zeit, in welcher Musik/Kunst in den Köpfen der Menschen ein anderes Bewusstsein hervorruft. Die Musik leidet unter einem stets-sich-weiterentwickelnden, inflationären Charakter, aufgrund vieler Faktoren. Bands zahlen heute dafür, dass sie in Clubs + Co. spielen „dürfen“. Die Worte der Veranstalter wiederholen sich: „Gut Jungs, wir hoffen, dass wir für euch heut Abend das Spritgeld wieder herausbekommen. Hoffen wir mal, dass ein paar Leute kommen. Ansonsten bekommt erst mal jeder von euch vier Getränkemarken…“

 

Was macht ihr eigentlich, wenn ihr nicht gerade an eurer Musik arbeitet?
Schlafen, Träumen, Essen, Musik Hören, Reden, Musik Hören, Essen, Träumen, Schlafen.

Nikaya-Florian Kusch - C4
Flo (voc/git)

Eine Hörprobe gefällig? Dann hier entlang!

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